Kleine Serie über den Westfalenring in Lüdinghausen – Letzter Teil

1967 noch verboten, durfte die Formel V am Himmelfahrtstag 1968 auf der Grasbahn in Lüdinghausen starten. 18 000 Zuschauer waren begeistert, es blieb aber das einzige Wagenrennen auf dem Westfalenring. Von Michael Beer

Der Himmelfahrtstag 1967 sollte als ein ganz besonderer Tag in die Geschichte des AMSC eingehen. Erstmals hatte der Veranstalter von der Obersten Nationalen Sportbehörde die Genehmigung für Wagenrennen der Formel V auf der Grasbahn erhalten. Alle Vorbereitungen waren getroffen, Testfahrten unternommen, Fahrer verpflichtet und die Bahn hergerichtet worden. Einige Tage vor dem großen Renntag teilte die Landesregierung mit, dass aufgrund eines alten Erlasses keine Wagenrennen auf Grasbahnen durchgeführt werden durften.

Nun wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, erneut eine Genehmigung für ein Wagenrennen zu erhalten. Stadtdirektor Peter Bröhl und Willi Mirsberger, Sportleiter des ADAC Westfalen-West, ließen ihre Kontakte spielen. An der Bahn und im Stadion hatte sich in diesem Jahr viel getan. Die Strohballen waren verschwunden und durch einen Sicherheitszaun für 33 000 DM um die Bahn ersetzt sowie ein Zielrichterturm gebaut worden. Zudem entstand ein Erdwall zwischen den Pappeln. Die Genehmigung aus Düsseldorf ließ nicht lange auf sich warten. Auch wenn es am Himmelfahrtstag 1968 ununterbrochen regnete, die rund 18 000 Zuschauer und Fahrer der Formel V waren sich einig, dass die erneuerte Rennbahn in Lüdinghausen zu den schönsten Anlagen im Bundesgebiet zählt.

Leider blieb dieses Wagenrennen eine einmalige Veranstaltung. Bei den Vorbereitungen für das 24. Westfalenring-Rennen 1969 teilte die Oberste Nationale Sportbehörde mit, dass wegen verschiedener Unfälle keine Formel V-Rennen mehr auf Grasbahnen starten dürfen.

Dem AMSC wurde 1973 erstmals die Ausrichtung der Deutschen Bahnmeisterschaft übertragen, bei der ein gewisser Egon Müller aus Kiel seinen ersten Titel gewann. Später wurde Müller sogar noch drei Mal Weltmeister. Müllers Liebe zu „seinem Wohnzimmer“, wie er den Westfalenring nannte, ist nie erloschen. So war er beim 75. Rennen im Mai 2014 als Stadionsprecher aktiv. Mehrfach wurde auf dem Westfalenring die Deutsche Seitenwagenmeisterschaft ausgetragen.

In der langen Geschichte des Westfalenringes mussten nur drei Rennveranstaltungen abgesagt werden: das zweite Rennen 1957, mangels Geld 1958 und 1984, als die Bahn unter Wasser stand. Die immer strenger gewordenen Sicherheitsvorschriften sorgten dafür, dass die Holzbande und die dahinter liegende Sicherheitszone mehrfach erneuert und modernisiert wurden.

Rund 50 Jahre nach dem letzten Pferderennen wurde erneut der Versuch gestartet, Trabrennen auf dem Westfalenring durchzuführen. Die wurden nach wenigen Jahren aber wieder eingestellt.